Ein freundliches Moin in die Runde und Herzlich Willkommen zur vierten Review in 2026.
Im Thursday Night Game (2:15 Uhr deutscher Zeit) trafen die Pittsburgh Steelers im Huntington Bank Stadium in Cleveland, Ohio auf die Browns.
Spielverlauf
Quarter 1:
Pittsburgh startete mit einem langen und kontrollierten ersten Drive. Die Steelers benötigten 17 Spielzüge und fast zehn Minuten, um über 78 Yards das Feld zu überbrücken. Den Abschluss bildete ein kreativer Spielzug: Aaron Rodgers übergab den Ball scheinbar, behielt ihn aber und spielte einen kurzen Pop-Pass auf Roman Wilson, der aus 12 Yards den Touchdown erzielte. Chris Boswell verwandelte den Extrapunkt zum 7:0.
Die Browns kamen offensiv zunächst kaum in Fahrt. Pittsburghs Defense erzwang direkt zu Beginn einen Three-and-out und ließ Cleveland im ersten Viertel ohne Punkte. Damit ging Pittsburgh mit einer 7:0-Führung in die erste Pause.
Quarter 2:
Im zweiten Viertel kippte das Spiel komplett. Der entscheidende Wendepunkt war eine Interception von Denzel Ward gegen Aaron Rodgers. Pittsburgh hatte zuvor noch gut ausgesehen, doch der Ballverlust brachte Cleveland in Schwung. Die Browns nutzten ihre Chancen konsequent und erzielten drei Touchdowns in wenigen Minuten.
Zunächst lief Jaleel McLaughlin über 28 Yards in die Endzone und glich zum 7:7 aus. Wenig später brachte Quinshon Judkins die Browns mit einem 2-Yard-Lauf erstmals in Führung. Und Cleveland legte nach. Deshaun Watson führte einen längeren Drive an und fand Harold Fannin Jr. für einen 2-Yard-Touchdownpass.
Pittsburgh versuchte, ein letzte Mal vor der offensiv dagegenzuhalten, und verkürzte durch ein 31-Yard-Field-Goal von Chris Boswell und es stand zur Halbzeit 21:10 für die Browns.
Quarter 3:
Das dritte Viertel blieb punktlos, war aber keineswegs ereignislos. Beide Defenses dominierten zunächst und ließen kaum Raum für große Offensivaktionen. T. J. Watt sorgte mit einem Strip-Sack für einen wichtigen Defensiven Erfolg und setzte die gegnerische Offense unter Druck, leider konnte Pittsburgh Offensiv noch keinen Nutzen daraus schlagen.
Der entscheidende Moment folgte im nächsten Offensiv-Drive der Browns, mit der Interception von Spears-Jennings. Die Aktion war allerdings nur möglich, weil Sawyer den Ball noch berührte. Ohne diesen Tipp wäre die Situation als Defensive Pass Interference gewertet worden. So wurde aus einer möglichen Strafe ein Ballgewinn für Pittsburgh – ein enorm wichtiger Momentumwechsel, der den Steelers eine neue Chance eröffnete. Punkte sprangen im dritten Viertel dennoch nicht heraus. Cleveland ging weiterhin mit 21:10 in Führung ins Schlussviertel.
Quarter 4:
Offensiv nutzte Pittsburgh diesmal die Gelegenheit und kam zurück ins Spiel.
Ein 43-Yard-Pass von Rodgers auf D. K. Metcalf löste endgültig den Knoten. Anschließend fand Rodgers, Darnell Washington mit einem 21-Yard-Pass zum Touchdown. Die anschließende Two-Point-Conversion misslang, sodass Cleveland zunächst mit 21:16 vorne blieb. Die Browns antworteten mit einem 44-Yard-Field-Goal und bauten ihre Führung auf 24:16 aus.
Pittsburgh marschierte weiter und Rodgers bediente Pat Freiermuth mit einem 3-Yard-Pass zum Touchdown. Bei der Two-Point-Conversion kam Pittsburgh durch ein vorheriges Offside von Jared Verse an die 1-Yard-Linie. Rodgers erkannte das freie A-Gap, änderte den Spielzug in eine Quarterback Sneak und brachte den Ball selbst in die Endzone. Damit stand es 24:24.
Cleveland bekam noch einmal den Ball und arbeitete sich in Field-Goal-Reichweite. Ein Sack von Payton Wilson erschwerte den Browns zwar die Situation, doch Andre Szmyt verwandelte schließlich ein 56-Yard-Field-Goal. Zehn Sekunden vor Schluss lag Pittsburgh wieder mit 24:27 zurück.
Rodgers bekam noch eine letzte Gelegenheit. Mit einem Timeout in der Hinterhand hätte er einen kurzen Pass spielen und versuchen können, sich eine bessere Ausgangslage für einen weiteren Spielzug zu verschaffen. Stattdessen warf er tief in Richtung Roman Wilson. Grant Delpit fing den Pass ab und beendete damit die letzte Hoffnung der Steelers.
Gewinner und Verlierer
Gewinner:
- DK Metcalf: Mit 115 Yards aus Fünf Reception ist DK diesmal einer der Gewinner, zumal er weitere Chancen hatte, in denen er von Rodgers einfach übersehen wurde.
- Roman Wilson: Er erzielte den ersten Touchdown der Partie mit einem 12-Yard-Touchdown-Pass nach einer langen 17-Play-Eröffnungsserie. Dazu kam ein spektakulärer 49-Yard-Catch-and-Run kurz vor der Halbzeit. Mit insgesamt 3 Catches für 74 Yards und einem Touchdown gehörte er zu den auffälligsten Steelers-Receivern, bevor ihn eine Verletzung ausbremste.
- Unsere TEs: Darnell Washington und Pat Freiermuth erzielten beide einen Touchdown und empfahlen sich jeweils als sichere Anspielstation für weiteren Workload.
- Jaylen Warren: 5,5 Yards per run bei 17 Versuchen und insgesamt über 120 Scrimmage Yards sprechen für sich.
- Dazu muss man dann auch das Run-Blocking der O-Line positiv erwähnen.
- TJ Watt: Er lieferte eine starke individuelle Leistung: 4 Tackles, 1 Sack, 2 Tackles for Loss, 2 Quarterback-Hits, 1 erzwungener Fumble, 1 Fumble-Recovery und 1 abgewehrter Pass. Sein Strip-Sack samt Recovery im dritten Viertel war ein wichtiger Impuls für die Defense. Er war einer der wenigen Steelers-Verteidiger, die konstant für Druck sorgten.
- Robert Spears-Jennings: Er fängt als Rookie seine erste Interception, dazu kommen 7 Tackles und 2 Pass-Breakups. Der 7. Runden Pick zeigt, warum er es aufs Roster geschafft hat und dass er nicht nur im Special Team zu gebrauchen ist.
- Cameron Johnston: Mit durchschnittlich 51,8 Yards pro Punt und einem 62-Yard-Punt bis an die 1-Yard-Linie leistete er einen wichtigen Beitrag im Special Team.
- Joey Porter Jr.: Ja, ihr müsst jetzt nochmal stark sein. Ein letztes Mal muss der Name hier fallen. Gerade gegen Typen wie Denzel Boston (4 Reception 89 Yards) wäre ein Press-Man-Corner genau das Richtige gewesen. Dieser wurde aber getradet und fehlt hier jetzt, was ihn zum kleinen Gewinner macht.
Verlierer:
- Aaron Rodgers: Rodgers brachte Pittsburgh mit 299 Passing-Yards und drei Touchdown-Pässen zwar zurück ins Spiel, zeigte aber über weite Strecken nicht die nötige Ruhe. Er übersah offene Receiver, lief teilweise selbst in den Druck hinein und hielt zu lange an tiefen Pass Optionen fest, anstatt einfache Lösungen zu nutzen.Gerade angesichts der noch jungen Offensive Line wäre es wichtig gewesen, den Ball schneller loszuwerden und mit kurzen Pässen den Rhythmus zu finden. Stattdessen wirkte Rodgers in manchen Situationen gehetzt und suchte zu oft den großen Spielzug.Die zwei Interceptions, insbesondere der letzte tiefe Pass trotz eines noch verfügbaren Timeouts, machten seine problematische Entscheidungsfindung besonders deutlich.
- McCarthy: muss sich die Frage gefallen lassen, ob sein offensives Playcalling ausreichend auf die Situation zugeschnitten war. Bei einem älteren Quarterback wie Rodgers und einer jungen Offensive Line wären mehr kurze Pässe, Checkdowns und schnelle Entscheidungen sinnvoll gewesen.Stattdessen wurde häufig versucht, mit tiefen Pässen große Raumgewinne zu erzielen. Das machte Pittsburghs Angriff unnötig anfällig für Druck und erschwerte es, konstant in den Rhythmus zu kommen.Gerade wenn die gegnerische Defense blitzt oder die Pass Protection nicht zuverlässig funktioniert, braucht es einfache Antworten. McCarthy hätte Rodgers mehr solcher Optionen geben müssen, um die Offensive Line zu entlasten und den Angriff unberechenbarer und stabiler zu machen.
- Patrick Graham: Seine defensive Ausrichtung stand erneut in der Kritik. Seine Zone Coverage hatte immer wieder Schwierigkeiten, gegnerische Receiver konsequent zu kontrollieren. Cleveland fand Lücken in der Defense und konnte diese vor allem im zweiten Viertel für drei Touchdowns nutzen. Das Problem ist nicht allein das gewählte System. Entscheidend ist auch, ob es zum vorhandenen Personal passt. Graham gelang es nicht, mit den verfügbaren Spielern über längere Phasen eine stabile Defense auf den Platz zu bringen.Besonders kritisch ist, dass Pittsburgh trotz einzelner starker Aktionen von T. J. Watt und Spears-Jennings über weite Strecke, im entscheidenden Moment erneut keine ausreichende defensive Antwort fand.
- Die gesamte Defense beim Thema Tackling: Es gab viel zu viele missed Tackles, so kann man nicht gewinnen.
- Pass-Protection: Die Offensive Line ließ fünf Sacks zu und hatte zusätzlich Schwierigkeiten, gegnerische Blitzes rechtzeitig zu erkennen und aufzunehmen. Rodgers bekam dadurch zu wenig Zeit, um seine Spielzüge sauber zu entwickeln.Gerade eine junge Offensive Line braucht Unterstützung durch das Playcalling. Schnelle Pässe und mehr Checkdowns können helfen, den Druck zu reduzieren. Stattdessen wurde die Line immer wieder mit schwierigen Situationen allein gelassen. Die Probleme bei der Pass Protection waren damit nicht nur eine Frage der individuellen Blockarbeit, sondern auch der Abstimmung zwischen Quarterback, Offensive Line und Coaching.
- Dylan Everette: Er wurde im zweiten Viertel mit einem langen Pass auf Denzel Boston konfrontiert. Der 61-Yard-Spielzug brachte Cleveland in eine hervorragende Ausgangslage, aus der kurz darauf der nächste Touchdown entstand. Für einen jungen Cornerback, der sich blind auf die Safety Absicherung verlassen hat, ist ein solcher Fehler nicht ungewöhnlich. In dieser Partie hatte er jedoch unmittelbare Auswirkungen auf den Spielverlauf und zeigte, wie anfällig Pittsburghs Passverteidigung in bestimmten Situationen war.
- Chris Boswell: Ich weiß, diesen Namen will hier niemand lesen, aber er verschoss ein 48-Yard-Field-Goal. In einer Partie, die Pittsburgh am Ende mit nur drei Punkten Unterschied verlor. Zwar verwandelte er später einen 31-Yard-Versuch, doch die verpassten Punkte aus der frühen Spielphase hätten am Ende einen Unterschied machen können.
- Das Kickoff-Team: Diese Unit der Steelers ließ den gegnerischen Offenses wiederholt eine gute Feldposition. Dadurch starteten die Browns ihre Drives häufig etwa 10 bis 15 Yards weiter vorne, als es bei einer konsequenten Kickoff-Coverage der Fall gewesen wäre. Das Problem betrifft beide Seiten. Auch Pittsburghs eigene Offense profitierte nicht konstant von einer guten Ausgangsposition nach den Kickoffs. Es fehlte an Kontrolle und an der Fähigkeit, durch die Kickoff-Situationen einen echten Vorteil zu schaffen. Gerade in engen Spielen sind diese zusätzlichen Yards entscheidend. Eine gegnerische Offense, die regelmäßig ein kürzeres Feld vor sich hat, benötigt weniger Raumgewinn, um in Field-Goal-Reichweite zu kommen oder einen Touchdown vorzubereiten. Das erhöht den Druck auf die eigene Defense und kann sich über den gesamten Spielverlauf summieren. Die Kickoff-Coverage ist damit ein weiterer Bereich, in dem Pittsburgh dringend konstanter werden muss.
Besonderheiten:
- Die Browns setzen ihre TNF-Serie gegen Pittsburgh fort: Cleveland hat nun die letzten fünf Thursday-Night-Football-Spiele gegen die Steelers gewonnen. Eine bemerkenswerte Serie innerhalb einer ohnehin traditionsreichen Rivalität.
- Generell warten die Steelers nun seit 76 Jahren auf einen Auswärtssiegt in einem Division Duell in einem Thursday-Night-Football-Spiel.
- Der Clip, in dem sich Head Coach Mike McCarthy und Quarterback Aaron Rodgers an der Seitenlinie lautstark anschreien, verbreitet sich viral. Die Szene liefert reichlich Gesprächsstoff, gerade weil beide schon lange miteinander verbunden sind und sich aus ihrer gemeinsamen Zeit in Green Bay kennen. Gerade bei Niederlagen wird sowas gerne genommen, um zu zeigen, was nicht gut laufen würde.
- Im ersten Spielzug des vierten Viertels wurde gegen Daylen Everette zunächst eine Defensive Pass Interference über 42 Yards gepfiffen. Pittsburgh ließ die Entscheidung überprüfen. Weil Jack Sawyer den tiefen Pass von Deshaun Watson noch berührt hatte, wurde die Strafe aufgehoben. Robert Spears-Jennings fing den Ball ab. Aus einer aussichtsreichen Feldposition für Cleveland wurde ein Ballbesitz für Pittsburgh. Viele Zuschauer und ebenfalls Kommentatoren wussten nichtmal, dass man das überprüfen lassen kann.
- Der Browns-Kicker Andre Szmyt verwandelte das entscheidende Field Goal aus 56 Yards. Es war der längste erfolgreiche Field-Goal-Versuch seiner bisherigen Karriere. Und das ausgerechnet zehn Sekunden vor Spielende zum Sieg.
- Das Spiel stand unter dem Motto „Rock & Roll Hall of Fame Game“. In der Halbzeit trat die Rockband Cheap Trick auf einer neuen Entertainment-Bühne neben der Dawg Pound auf.
Fazit:
Bei den Pittsburgh Steelers geht es weiterhin in die richtige Richtung. Die Offense zeigt immer wieder, welches Potenzial in ihr steckt, und auch defensiv gibt es bei einzelnen Spielern immer wieder positive Ansätze. Vor allem die Aufholjagd im vierten Viertel, als Pittsburgh einen Rückstand von elf Punkten noch ausglich, zeigt die Moral und die Fähigkeit dieser Mannschaft, sich auch in schwierigen Situationen zurückzukämpfen. Doch genau hier liegt das Problem: Das Potenzial ist da, aber die Steelers schaffen es noch nicht, über vier Viertel konstant ihre Leistung abzurufen.
Zu viele kleine Fehler machen das Gesamtbild kaputt. Rodgers übersieht offene Receiver, läuft teilweise selbst in den Druck und sucht zu häufig den tiefen Pass. McCarthy muss seinem Quarterback mehr einfache Lösungen anbieten und die noch junge Offensive Line besser entlasten. Auch die Pass Protection, die Abstimmung gegen Blitze, die anfällige Zone Coverage und die schwache Kickoff-Coverage kosten Pittsburgh immer wieder wertvolle Feldposition und Kontrolle. Dazu kommen individuelle Fehler und verpasste Chancen, die sich in einem engen Spiel besonders schwerwiegend auswirken.
Diese Niederlage war ganz klar vermeidbar. Pittsburgh hatte die Möglichkeit, das Spiel zu gewinnen, kämpfte sich eindrucksvoll zurück und brachte sich selbst in eine Position, aus der mindestens eine Verlängerung möglich gewesen wäre. Doch am Ende verhinderten die eigenen Fehler den Erfolg. Gerade der letzte Drive, in dem Rodgers trotz eines verfügbaren Timeouts den riskanten tiefen Pass warf, steht sinnbildlich für die Probleme dieser Mannschaft.
Die Entwicklung stimmt, aber die Steelers müssen lernen, aus ihren Möglichkeiten mehr zu machen. Denn gegen einen direkten Rivalen wie Cleveland, der am Ende verdient gewinnt, darf man sich nicht so viele einfache Fehler leisten.




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