Seit Donnerstagmorgen steht fest, dass Joey Porter Jr. keine Zukunft mehr in Pittsburgh hat. Die Steelers haben ihn für einen 2028er 2nd Rounder und einen 2027er 6th Rounder zu den Dallas Cowboys getradet. Damit endete eine besondere Geschichte, welche alle Vorzeichen einer zukünftigen Steelers Legende hatte. Wir könnten jetzt hier nur auf Joey Porter und seinen Agenten rumhauen, aber das wäre am Ende der Geschichte nicht gerecht – daher versuchen wir zu analysieren, was nach den uns zur Verfügung stehenden Informationen passiert ist.
Starten wir also in das Drama in drei Akten:
Schon ein Steeler seit Geburt
Joey Porter Jr. wurde im Jahr 2000 geboren, als sein Vater aktiver Spieler der Steelers war und verbrachte große Teile seiner Kindheit in den Facilities der Steelers. Jeder kennt das Bild von Joey Porter Sr., der nach dem Gewinn des Super Bowls mit seinen Kindern auf dem Arm feiert. Nach dem Ende seiner Karriere war er auch als Coach bei den Steelers angestellt und dadurch kehrte auch Joey Porter Jr. in die Facilities der Steelers zurück. Mehr Steelers DNA konnte man einem Kind nicht mit auf den Weg geben. Und die Steelers haben Joey nie aus den Augen verloren, denn seine College Zeit verbrachte er im Happy Valley bei den Penn State Nittany Lions, die nur ~140 Meilen / 2 Stunden westlich von Pittsburgh liegen.
Und die Pipeline der Nittany Lions zu den Steelers ist eine, die immer wieder bedient wurde: u. a. Franco Harris, Jack Ham, Matt Bahr, Jesse James, Pat Freiermuth und zuletzt Drew Allar.
Als die Steelers im NFL Draft 2023 mit dem ersten Pick der zweiten Runde Penn State Cornerback Joey Porter Jr. auswählten, war ganz Pittsburgh aus dem Häuschen. Der verlorene Sohn kehrte heim und Porter wurde direkt zu einem Liebling der Massen.
Die Hoffnung der Secondary
Wenn die Steelers Defensive seit jeher eines auszeichnet, dann ist es der Fokus auf eine starke Front Seven und Pass Rush, die Secondary war darauf auch mehr als angewiesen weil man entweder nicht das Geld hatte um in der Free Agency in große Namen zu investieren oder das Talent was man vermeintlich im Draft holte, dieses nie auf dem Platz zeigen konnte. Daher lief die Steelers Secondary oft ihrer Erwartung hinterher. Aber die Investition in Joey Porter Jr. gab den Fans Hoffnung, dass man langfristig ein starkes Backfield haben würde.
Das hat er auch auf dem Feld gezeigt. Seit er im Laufe der Saison 2023 Starter wurde, hat er keinen direkten Touchdown gegen sich zugelassen.
Die Steelers haben über Jahre versucht ein für sein Skillset passendes Match für ihn auf CB2 zu finden und haben es mit erfahrenen Spielern wie Patrick Peterson, Donte Jackson, Darius Slay und Jaylen Ramsey versucht. Wie gut das geklappt hat, bewerten wir hier jetzt nicht.
Porter wurde über die Jahre seiner Karriere in Pittsburgh immer besser und in 2025 war Porter bei vielen Experten in der Diskussion einer der besten Cornerbacks der Liga zu sein und seine Zahlen spiegelten das auch wieder. Porter war in den Top 10 wenn es um die folgenden Punkte ging:
- QB Rating allowed – 55,9 – 3rd
- Receptions allowed – 32 – 7th
- Completion Rate allowed – 47,8 % – 6th
- Yards allowed – 325 – 6th
- Yards after Catch allowed – 86 – 4th
- Passes Broken Up – 13 – 4th
- Touchdowns allowed – 0 – 1st
Der einzige Makel den man Porter ankreiden kann ist seine Turnover Ratio, denn mit nur drei Interceptions in drei Jahren schneidet er da nicht in der Top-Riege der Cornerbacks ab.
Es wird nun auch Leute geben, die sagen, er hat nicht permanent gegen den besten Receiver des Gegners gespielt. Das mag am Ende sogar ein Teil der Wahrheit sein, aber Porter hat genug Snaps gegen Top Wide Receiver wie Ja’marr Chase, Tee Higgins, Zay Flowers, Justin Jefferson, Garett Wilson, JSN oder Nico Collins genommen, um eine ordentliche Sample Size hinzulegen, welche sich auch in den oben genannten Zahlen wiederfinden.
Am Ende reichte es nicht für eine Berufung in den Pro Bowl oder 1st / 2nd Team All-Pro für Porter, aber klar war Porter gehört in die (erweiterte) Konversation, wenn man über die Top Cornerbacks der NFL sprach. Nach der Saison verkündete Porter seinen Wunsch langfristig in Pittsburgh bleiben zu wollen und daher wurde sein Name früh genannt, wenn es darum ging, welcher CB der 2023er Draft Klasse den Markt in 2026 als erstes neu setzen würde.
Kein Steeler for Life
In der Free Agency legten die Steelers den Grundstein für ein starkes Backfield um ihren CB1 Joey Porter Jr. Mit den Verpflichtungen von Jamel Dean, Jaquan Brisker – mit dem Porter bereits bei Penn State zusammengespielt hatte – sowie Asante Samuel Jr. verstärkte man sich im Vergleich zur Vorsaison spürbar.
Doch bis zum Start der OTAs Ende Mai passierte nichts, und die Steelers setzten Joey Porter Jr. mit einer Rückenverletzung auf die Active/Physically Unable to Perform List (PUP).
Kurz darauf fingen die Steelers an, andere Spieler aus der 2023er-Klasse mit neuen Arbeitspapieren auszustatten. OLB Nick Herbig (4 Jahre / 100 Mio. $) und TE Darnell Washington (4 Jahre / 42 Mio. $) wurden im Rahmen der OTAs verlängert; auf eine baldige Einigung in den Vertragshandlungen mit Porter warteten die Fans jedoch vergeblich. Hier gab es bereits die ersten Spekulationen, dass die Vertragsverhandlungen zwischen den Steelers und Porter nicht wie erhofft verliefen.
Als die Steelers im Training Camp mit DT/NT Keeanu Benton den dritten Spieler aus der 2023er-Draft-Klasse mit einem neuen Vertrag (4 Jahre / 72 Mio. $) ausstatteten, keimte die Hoffnung auf eine Porter-Verlängerung erneut auf, doch auch hier machte sich schnell Enttäuschung breit.
Das Thema zog sich die gesamte weitere Offseason hin und her; beide Seiten hielten sich bedeckt – sofern sie überhaupt in den Medien darüber sprachen – und beteuerten immer wieder, einen Deal erzielen zu wollen. Die Steelers sagten, sie planten fest mit Porter, und Porter betonte, er plane fest zu spielen.
Im Team gab es für Porter über die gesamte Zeit Rückhalt. So sprachen sich viele Spieler wie Jalen Ramsey und Cam Heyward für ihn aus, und ihrer Meinung nach war das Business für die Situation verantwortlich.
Die Steelers bekamen auf Social Media den Frust der Fans ab, nachdem Ex-Agent Andre Odom (der im Juni 2026 Athletes First von David Mulugheta verlassen hatte) den Steelers die Schuld zugeschoben hatte, indem er immer wieder beteuerte, dass die beiden Ex-Nittany Lions und Freunde Joey Porter Jr. und Jaquan Brisker nur zusammen Football spielen wollten.
General Manager Omar Khan machte vor dem Kickoff noch einmal deutlich, dass man von der Philosophie während der Saison keine Vertragsverhandlungen zu führen nicht abrücken würden. Und so kehrte aller Vorfreude auf Steelers Football auch die Enttäuschung zurück.
Auf der anderen Seite bekam Porter Jr. den Frust zu spüren, da es Berichte von Beatwritern und Insidern
gab, in denen zu lesen war, dass Porter der bestbezahlte Cornerback der Liga sein wollte und andernfalls einen Trade fordern würde. Zudem stand im Raum, dass Porter und sein Management ein Angebot über 27 Millionen Dollar pro Jahr nicht einmal in Betracht gezogen haben.
In der NFL wurde die Situation rund um Porter natürlich mit Argusaugen beobachtet und entsprechend diskutiert. Porter wurde mit etlichen Teams in Verbindung gebracht. Das Interesse der Lions, Giants und Cowboys war öffentlich bekannt und den Saints und 49ers wurde ebenfalls ein Interesse nachgesagt.
Im Rahmen der Roster Cuts aktivierten die Steelers Porter von der PUP-Liste. Die Hoffnung, dass dies ein gutes Zeichen war, damit die Steelers und Porter vor dem Kickoff am 13.09.2026 eine Vertragseinigung erzielen würden, kehrte zurück.
Die Steelers führten Porter daher weiterhin mit “Did not Practice” oder “Limit Practice” auf dem wöchentlichen Injury Report. Von den Steelers hieß es, dass Porter im Konditionsaufbau sei und sobald er ein volles Training absolvieren würde, auch spielen würde. Porter sagte, er wolle dieses Jahr auf jeden Fall spielen.
In dieser Woche stand Porter am Montag und Dienstag das erste Mal mit “Full Practice” auf dem Injury Report auch wenn dies nur Walkthroughs der Steelers waren, freuten sich die Fans auf das Debut von Joey Porter Jr. – denn gegen die Offensive der Bengals hatte man gesehen, dass ein Spieler mit den Qualitäten wie JPJ der Steelers Defense gut zu Gesicht stehen würde.
Aber es sollte alles anders kommen als man dachte, denn zuerst beendete Joey Porter Jr. das Abschlusstraining frühzeitig und die Steelers meldeten ihn für das Thursday Night Game erneut als “OUT”. Als nächstes wachten wir zu den News auf, dass Joey Porter Jr. für einen 2nd Rounder 2028 und einen 6th Rounder 2027 (den man selber im Pickens Trade nach Dallas geschickt hatte) zu den Dallas Cowboys gedraftet wurde.
So endete, wie bereits in der Einleitung geschrieben, eine besondere Geschichte, welche alle Vorzeichen einer zukünftigen Steelers Legende hatte in einem Trade zu den Cowboys.
Fazit
Wie gesagt, wir kennen eigentlich keine Details, die zu diesem Ende geführt haben. Aber neben dem ganzen Prozess hinterlässt der Trade Value am Ende für viele einen bitteren Beigeschmack und ist eine Erweiterung der Kritik, welche wir schon im Zwischenfazit zur Offseason angebracht haben. Das ist natürlich berechtigt, aber genauso kann man argumentieren, dass man am Ende bekommt, mit dem 2nd Rounder das wieder was man ursprünglich investiert hat. Dieser gibt im Draft 2027 aber wiederum Möglichkeiten für entsprechende Moves.
Für mich ist an diesem Punkt nur sicher, dass beide Parteien sich das sicherlich anders vorgestellt hätten. In diesem Fazit wird weder über Joey Porter Jr. oder die Steelers geurteilt. Denn auch wenn das für uns als Fans nicht immer nachvollziehbar ist, so ist die NFL am Ende ein Business. Das gilt für beide Seiten auch wenn die Kritik bei solchen Themen, aufgrund der für Otto Normalverbraucher horrenden Gehälter in der NFL, oft nur an den “gierigen” Spielern und Agenten hängen bleibt statt an der “geizigen” Franchise.
Die Steelers und Defensive Coordinator Patrick Graham müssen nun die Frage beantworten, wie gut man ohne Joey Porter Jr. und mit der vom DC bevorzugten Zone Defense performen kann. In den ersten Wochen hat man hier schon einiges an fehlender bzw. schlechter Kommunikation sehen können. Aber es ist zu früh, jetzt schon über die Secondary der Steelers zu urteilen.
Genauso ist es zu früh, jetzt schon davon zu sprechen, dass sich Joey Porter Jr. verzockt hat. Klar ist, er wird das letzte Jahr seines Vertrages in Dallas spielen und evtl. bereits am Sonntag gegen die Texans sein Debut geben.
Nach der Saison wird Porter einer von 20 Spielern sein, bei denen Dallas Owner Jerry Jones mit David Mulugheta und Athletes First über einen neuen Vertrag verhandeln muss. Gleiches gilt ebenfalls für die anderen beiden Ex-Steelers Spieler im Kader der Cowboys – George Pickens und Broderick Jones.
Auch können und wollen wir heute nicht bewerten, ob dies ein schlechtes Vorzeichen auf die Zukunft für die folgenden Jahre und die kommenden Vertragsverlängerungen der Pittsburgh Steelers ist. In 2026 ist noch eine Menge Football zu spielen und wir werden weiterhin unsere Laune von Steelers Football abhängig machen.
In diesem Sinne: HERE WE GO!




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