Wild Card Preview

written by Stefan Janssen
1 · 13 · 23

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Am Wochenende starten die Playoffs der NFL – leider ohne die Pittsburgh Steelers. Der 9-8-Record reichte am Ende leider nicht, weil die Miami Dolphins durch das gewonnene direkte Duell die Nase vorn hatten. Was bei vielen natürlich für Enttäuschung sorgte, fanden andere wiederum besser so, weil bei den Buffalo Bills eh nichts zu holen wäre. Mit dieser Gefühlslage gehen vermutlich viele Dolphins-Fans in das Playoff-Duell in Buffalo. Es ist auf dem Papier so einseitig wie kein anderes Spiel diese Woche. Auch wenn die Steelers nicht dabei sind, blicken wir voraus auf das Wild-Card-Wochenende, das ansonsten interessante Partien bereithält.

AFC

Jacksonville Jaguars – Los Angeles Chargers (Samstag auf Sonntag, 2.15 Uhr deutscher Zeit)

Es ist ein Duell zweier spannender Teams. Die Jaguars haben unter Head Coach Doug Pederson die Wende geschafft und am Ende mit einem Record von 9-8 die AFC South gewonnen. Gerade die Offense um Trevor Lawrence, 2021 der Nummer-1-Pick im Draft, scheint immer besser in Gang zu kommen. Zuletzt gewannen die Jaguars fünf Spiele in Folge, in der Regular Season begegneten sich diese beiden Teams zudem schon einmal – und Jacksonville triumphierte deutlich mit 38:10. Doch das ist schon einige Monate her. Gerade die Defense der Jaguars hat hier und da mal Probleme gemacht, etwas, das die Chargers vom Potenzial her ausnutzen können. Zu selten aber bringt die Offense die PS auch auf die Straße. Zudem gab und gibt es bei den Chargers – wie üblich, ist man geneigt zu sagen – Verletzungssorgen. Wide Receiver Mike Williams ist fraglich fürs Wochenende und Pass Rusher Joey Bosa, der erst seit kurzem überhaupt wieder spielt, taucht weiter im Injury Report auf und scheint nicht bei 100 Prozent zu sein. Dass er spielt, wird für die Chargers wichtig sein, denn dann können sie die ebenfalls von Verletzungen gebeutelte Offensive Line der Jaguars erst recht attackieren. Die Jaguars werden vermutlich wie beim vorherigen Aufeinandertreffen probieren, den Ball schnell los zu werden, denn das stoppte den starken Pass Rush der Chargers, der auch Khalil Mack beinhaltet, und brachte Erfolg. Die wahre Stärke beider Teams ist nicht leicht einzuschätzen, gerade die Chargers haben das Prädikat „Wundertüte“ verdient. Die Partie, in denen Lawrence und Herbert ihr Playoff-Debüt geben, ist komplett offen.

Buffalo Bills – Miami Dolphins (Sonntag, 19 Uhr)

An dieser Stelle hätten die Steelers stehen können, wenn Joe Flacco es mit den New York Jets fertiggebracht hätte, die Dolphins mit Rookie Skylar Thompson zu schlagen. Aber dem war nicht so – und jammern nützt ja auch nichts. Durch das 11:6 über New York ist Miami nun eben dabei und darf – oder muss – nach Buffalo. Wie eingangs erwähnt ist das auf dem Papier das eindeutigste Duell: Auf der einen Seite die Bills, die einer der Favoriten auf den Titel sind, und auf der anderen Seite die Dolphins, die zwar kein schlechtes Team haben, aber aufgrund der Verletzungen von Tua Tagovailoa und wohl auch Teddy Bridgewater erneut mit Thompson als Quarterback antreten müssen. Zwar hat der mit Tyreek Hill und Jaylen Waddle weiter ein überragendes Receiving-Duo, doch Hill hatten die Bills in den beiden bisherigen Duellen auch so im Griff. Selbst mit Tagovailoa wäre es für Miami schwierig geworden, so traut ihnen wirklich niemand etwas zu. Denn neben der Quarterback-Situation gehört die Defense der Dolphins nicht gerade zur Spitze der Liga, Buffalo wird hier zu Punkten kommen. Um das Spiel eng zu halten, müsste Miami durch das Laufspiel möglichst lange in Ballbesitz bleiben und die Bills-Offense um Quarterback Josh Allen an der Seitenlinie halten. Das kann klappen, wenn sich die Bills sehr auf Waddle und Hill fokussieren und deshalb tendenziell leichtere Boxes anbieten. Im Dezember, beim bisher letzten Duell, klappte das gut: Miami legte in 25 Versuchen starke 188 Rushing-Yards auf. Zum Sieg reichte es dennoch nicht. 

Cincinnati Bengals – Baltimore Ravens (Sonntag auf Montag, 2.15 Uhr)

Aus Steelers-Sicht gibt es wenige schlimmere Matchups in der Postseason, vor allem, weil eines dieser Teams damit tatsächlich in der Divisional Round stehen wird. Erst am vergangenen Sonntag gab es dieses Spiel zuletzt, Cincinnati gewann mit 27:16. Die Bengals sind auch diesmal wieder der Favorit. Erst recht, wenn bei den Ravens Lamar Jackson nicht spielen kann. Dessen Backup Tyler Huntley macht zwar keinen schlechten Job, ist aber nicht ohne Grund ein Backup. Dennoch: Die Ravens haben es vor wenigen Tagen, als mit Anthony Brown sogar der dritte Quarterback spielte und weitere Starter geschont wurden, gar nicht schlecht gemacht. Man leistete sich vier Turnover, was letztlich den Unterschied machte, doch der Auftritt darf trotzdem Mut machen. Ebenfalls Hoffnung gibt die Chance, Bengals-Quarterback Joe Burrow unter Druck zu setzen. Die ohnehin anfällige Offensive Line von Cincinnati vermisst am Sonntag beide Starter auf der rechten Seite. Die Ravens müssen hieraus mit ihrer starken Defensive Line Kapital schlagen. Keinesfalls dürfen Burrow und Co. in Fahrt kommen, einen Shootout kann Baltimore nicht mitgehen. Es wird für sie generell schwierig, gegen eine opportunistische Bengals-Defense zu punkten, die immer wieder auf Turnover-Jagd ist und damit zuletzt wie erwähnt sehr erfolgreich war. 

NFC:

San Francisco 49ers – Seattle Seahawks (Samstag, 22.30 Uhr)

Mr. Irrelevant im Super Bowl? Als Quarterback? Das ist in diesem Jahr gar nicht mal so unwahrscheinlich. Denn seit Brock Purdy bei den 49ers aufgrund der Verletzung von Jimmy Garoppolo übernommen hat, hat San Francisco alles gewonnen. Und legte die meisten Punkte pro Spiel auf. Denn im System von Head Coach Kyle Shanahan ist der Quarterback gar nicht so entscheidend, dafür sorgen eine starke Offensive Line und Skill-Player wie Deebo Samuel oder der per Trade verpflichtete Christian McCaffrey. Will Seattle hier eine Chance haben, muss aber getestet werden, wie gut Purdy wirklich ist. Die zahlreichen offensiven Waffen San Franciscos auszuschalten wird aber extrem schwierig. Und dann müssen die Seahawks ja auch erstmal selbst punkten gegen eine Defense, die zum Besten gehört, was die NFL zu bieten hat. Keine lässt weniger Punkte zu. Für Seattle ist der Playoff-Einzug schon ein Erfolg, alles, was jetzt kommt, ist Bonus. Aber wer weiß: Vielleicht wird das Spiel ja eine echte Probe für Purdy, der dann vielleicht Rookie-Fehler macht, denn die Defense der Seahawks war zuletzt ebenfalls gut drauf. Wenn dann noch Running Back Kenneth Walker ins Rollen kommt und Quarterback Geno Smith einen guten Tag erwischt – das heißt, keine Turnover fabriziert – dann kann was gehen. Aber das sind viele Wenns.

Minnesota Vikings – New York Giants (Sonntag, 22.30 Uhr)

Erst an Weihnachten gab es dieses Duell, damals gewann Minnesota mit 27:24. Einer der X-Faktoren war dabei wenig überraschend Wide Receiver Justin Jefferson. Welchen Plan sich die Giants diesmal für ihn zurechtlegen, könnte entscheidend sein. Rein vom Personal her kann die Secondary der Giants da nicht mithalten, es funktioniert nur Hand in Hand mit dem Pass Rush. Hier haben die Giants unter anderem mit Dexter Lawrence einen der besten Interior-Defensive-Line-Spieler der Liga, dazu mit Kayvon Thibodeaux einen spannenden Rookie als Edge Rusher. Die Giants waren beim letzten Mal dicht dran am Sieg und haben den Ball gut bewegen können, Daniel Jones warf dabei ungewöhnlich viele Pässe – größtenteils mit Erfolg. Vielleicht gehen sie einen ähnlichen weg, weil Minnesotas Pass-Defense zu den schwächsten der Liga gehört. Ergänzt natürlich durch das Können von Running Back Saquon Barkley. Damit es zum Sieg reicht, müssen die eigenen kapitalen Fehler – allen voran Turnover – aber abgestellt werden. Und Minnesota? Ist nicht so recht greifbar. Als erstes Team der NFL-Historie haben sie es geschafft, bei 13 Saisonsiegen eine negative Punktedifferenz zu haben. In der Regular Season gab es viele knappe Siege, ein paar beeindruckende Auftritte und ein paar Totalausfälle. Die Defense ist wie erwähnt gegen den Pass anfällig. Die Offense dagegen genau da gefährlich, vor allen über Jefferson. Aber auch Tight End T.J. Hockenson konnte den Giants vor wenigen Wochen richtig weh tun. Es könnte auf jeden Fall ein enges Spiel werden. 

Tampa Bay Buccaneers – Dallas Cowboys (Montag auf Dienstag, 2.15 Uhr)

Machen wir uns nichts vor: Auch dank der schwachen NFC South, gegen die es vier Siege gab, konnten die Steelers am Ende der Saison einen negativen Record vermeiden. Die Buccaneers gewannen die Division letztlich mit einer Bilanz von 8-9 und treffen nun auf die Dallas Cowboys. Dieses Spiel ist enorm schwierig einzuschätzen. Tampa Bay ist in der gesamten Saison offensiv kaum mal in Fahrt gekommen, obwohl es theoretisch genügend Playmaker gäbe. Die Hoffnung ist sicherlich, dass Brady seine Mannen in den Playoffs endlich auf Kurs bringt. Helfen kann dabei die klare Schwachstelle auf Cornerback bei den Cowboys, die dafür aber mit Micah Parsons einen der besten Edge Rusher aufbieten. Auf beiden Seiten des Balles hat Dallas viel Talent, aber auch klare Schwächen. Im Angriff war es zuletzt, auch verletzungsbedingt, die Offensive Line. Die Buccaneers werden mit ihrer starken defensiven Front um Vita Vea für Probleme sorgen können. Zudem kommt Dallas nach der durchaus peinlichen Niederlage gegen Washington nicht gerade mit Selbstvertrauen daher. Konstanz ist ein Thema, denn es gab einige überzeugende Auftritte. Beide haben hier realistische Chancen auf ein Weiterkommen, Tagesform dürfte eine Rolle spielen.

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