Mehr als die „Immaculate Reception“: Was Franco Harris zur Legende macht

written by Stefan Janssen
12 · 22 · 22

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Das Leben ist manchmal unfair. Am Samstag sollte Franco Harris‘ großer Tag werden, mit dem 50. Jahrestag der „Immaculate Reception“ und der Zeremonie dafür, dass seine Nummer 32 – als erst dritte Nummer in der Historie der Pittsburgh Steelers – nicht mehr vergeben wird. Doch Tage vorher verstirbt Harris im Alter von 72 Jahren und kann nicht mehr mit dabei sein.

Mit Harris hat die NFL und insbesondere die Steelers eine Ikone verloren. Wer am Flughafen in Pittsburgh ankommt, der läuft automatisch an der Statue vorbei, die Harris dabei zeigt, wie er 1972 den Ball zur Immaculate Reception kurz vor dem Boden auffängt. Als sie 2005 installiert wurde, wusste jeder, was sie zu bedeuten hatte. „Wer ist der Piraten-Typ neben ihm?“, sollen Leute gefragt haben, wie Andrew Masich, Geschäftsführer des Heinz History Center in Pittsburgh, zu The Athletic sagte. Sie meinten damit George Washington, immerhin der erste Präsident der Vereinigten Staaten. Aber eben eine Nummer kleiner als Harris.

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Zu der Person Franco Harris:
Geboren wurde er am 07. März 1950 in Fort Dix, New Jersey als Sohn eines GI und seiner italienischen Frau, die nach dem Ende des Krieges mit ihrem Mann in die USA gereist war. Daher kommt auch sein italienisch anmutender Vorname Franco.
Harris besuchte die Rancocas Valley Regional High School in Mount Holly Township, New Jersey und besuchte anschließend die Penn State University, wo er für die Nittany Lions auflief.
Seine Rolle war dort eher die des Vorblockers für den All-American Lydell Mitchell, aber trotzdem erlief Harris in seinen 3 Jahren 2,002 Yards und 24 Touchdowns.

Diese Fähigkeiten lies Harris für die Pittsburgh Steelers interessant werden, welche Ihn im NFL Draft 1972 mit dem 13ten Pick in der ersten Runde auswählten. Direkt in seiner ersten Saison sollte Harris einen Eindruck hinterlassen, in Pittsburgh und in der NFL. Durch seine Leistungen (1055 Yards, 10 Touchdowns, 5,6 Yards per Carry) wurde er in der NFL zum Offensive Rookie of the Year gewählt. In Pittsburgh gelang er durch seinen Namen und seiner Abstammung zu großer Popularität unter der großen Anteil der italienisch-amerikanischen Bevölkerung. Hieraus bildete sich auch direkt im selben Jahr “Franco’s Italian Army” zu der auch “Brigade General” Frank Sinatra gehört. Ausgezeichnet haben diese Fans sich durch Ihre Helme mit Harris Nummer drauf. 

Die Immaculate Reception in Harris’ Rookie-Saison veränderte in Pittsburgh alles. Sie wurde von den NFL-Fans schließlich nicht einfach so zum besten Play aller Zeiten gewählt. Die Steelers lagen 1972 in den Divisonal-Playoffs gegen die Raiders zurück. Harris‘ unglaublicher Catch war dann der erste Receiving-Touchdown der Steelers in den Playoffs überhaupt und sorgte Sekunden vor Schluss für den ersten Playoff-Sieg der Franchise nach Dekaden der chronischen Erfolglosigkeit. 

Die Steelers verloren zwar danach im Championship-Game gegen die Miami Dolphins in ihrer perfekten Saison, doch trotzdem war dieser Sieg durch dieses Play gegen die Raiders ein Wendepunkt. Die Steelers gewannen später 1974, 1975, 1978 und 1979 den Super Bowl. Immer mit dabei: Franco Harris, der beim ersten Super-Bowl-Sieg auch zum MVP (als erster Afro-Amrikaner und Italo-Amerikaner) wurde.

In den Jahren 1972 bis 1980 wurde Harris neunmal in Folge in den Pro Bowl gewählt, 1976 gewann er den NFL Man of the Year Award und 1977 wurde er zum First Team All-Pro gewählt. Mit acht aufeinanderfolgenden Saisons, in denen er mindestens 1000 Yards erlief, brach er einen von Jim Brown aufgestellten Rekord.

Nach zwölf Jahren sollte die Zeit von Harris bei den Steelers “unschön” enden und Harris schloss sich im Jahr 1984 den Seattle Seahawks an. Zu diesem Zeitpunkt fehlten Harris 362 Yards auf den zweitplatzierten Jim Brown in der Rangliste der meisten Rushing Yards der NFL-Geschicht. Nach der Saison hing Harris seine Schuhe an den Nagel und blieb 192 Yards hinter Brown. Harris spielte insgesamt 13 Saisons in der NFL, erzielte 100 Touchdowns, erlief 12.120 Rushing-Yards und fing 307 Pässe für weitere 2287 Yards. 1990 wurde er in die Hall of Fame aufgenommen. 

Aber natürlich war Harris viel mehr als das. „Vergiss den Spieler“, betonte auch Coach Tomlin am Dienstag auf der Pressekonferenz. „Offensichtlich kannte ich den Spieler nicht. Ich kenne den Mann. Was für eine großartige Repräsentation für diese Organisation, für die Gesellschaft. Ein Mann, der all die Verantwortung annimmt, die auf ihn zukommt, einfach nur, weil er er ist. Ich bewundere seine Leidenschaft für Pittsburgh und junge Menschen. Er war eine lange Zeit mit meiner Frau im Ausschuss von Pittsburgh Promise (eine Organisation zur Bildungsförderung, Anm.) und seine Leidenschaft für andere an diesem Ort und für die Steelers ist beispiellos und bewundernswert. 

Auch wenn es bis zur offiziellen Versöhnung zwischen den Steelers und Harris bis zum Super Bowl XL im Jahre 2006 dauerte, blieb Harris auch nach seiner Karriere immer mit Pittsburgh und den Steelers eng verbunden, die Fans lieben ihn bis heute. Aber nicht nur die alteingesessenen, auch die jüngeren Fans wissen alle, wer Harris ist.

Wie sehr die Immaculate Reception und Harris die Franchise der Pittsburgh Steelers beinflusst haben, zeigt auch die Einweihung der Immaculate Reception Monument’s zum 40-jährigen Jubiläum an genau der Stelle, wo Harris 1972 das beste Play der NFL Geschichte gemacht hat.
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Und auch bis zuletzt blieb er präsent, meist in seiner goldenen Hall-of-Fame-Jacke. Im April verkündete er noch die Auswahl von Kenny Pickett beim Draft, im Jahr zuvor verkündete er den Pick von Pat Freiermuth. Kurz darauf spielte er in einem Video mit, in dem Cam Heyward den Spielplan für die neue Saison beschützen sollte, dann aber von Harris ausgetrickst wurde. 

Franco Harris war eine Legende und ein Vorbild, das weit über den Sport hinausgeht. Dabei blieb er stets bescheiden, gab immer etwas zurück, engagierte sich in der Gesellschaft. Am Samstag sollte sein Abend werden. Nein, am Samstag wird sein Abend, an dem er für sein Leben und sein Werk gefeiert wird. Auch wenn er nicht mehr dabei sein kann. 

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Comments

1 Kommentar

  1. Marcnesium

    Habt Ihr toll geschrieben ! RIP franco ! Steelers nation will miss you !

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