Jaylen Warren: Vom Beinahe-Quitter zur NFL-Überraschung

written by Stefan Janssen
7 · 09 · 23

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Niemals aufgeben. Harte Arbeit zahlt sich irgendwann aus. Wenn man fest daran glaubt, dann kann man alles erreichen. Floskeln wie diese kennt jeder. Sie stimmen sicherlich nicht immer, doch für Menschen wie Steelers Running Back Jaylen Warren sind sie erfunden worden.

Der 24-Jährige kam 2022 als Undrafted Free Agent nach Pittsburgh und entsprach damit dem, was Scouts im Vorfeld des Drafts erwartet hatten. Warren galt als Power-Running-Back, aber eben nur als solcher – eindimensional, nicht besonders schnell, nicht gut als Runner über außen und nicht stark als Third-Down-Back, sei es als Receiver oder Blocker.

Nach seinem ersten NFL-Jahr ist klar: Stimmt nicht. „Ich habe letztes Jahr genau das gemacht, was NFL-Scouts mir sagten, ich nicht gut könnte“, sagte Warren zu „The Athletic“. Letztlich waren es seine Stärken auch im Passspiel, die ihm nicht nur einen Kaderplatz, sondern auch die Rolle als Running Back Nummer Zwei einbrachten. Alle Steelers Fans haben Warrens großartige Pass-Blocks vor Augen, bei denen die Gegenspieler reihenweise auf ihren Hintern landeten.

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Warren hat sie im Training Camp am Ende alle ausgestochen, er ist von Natur aus ein kompetitiver Typ: „Du kannst mich in einen Ram mit allen talentierten Typen der Welt stecken und ich würde es nicht zulassen, dass jemand härter arbeitet als ich“, sagte er im Podcast „The Arthur Moats Experience With Deke“.

Gefordert war diese Eigenschaft schon nach der High School. Obwohl Warren auf der East High School in Salt Lake City beim Gewinn des State Titles einen neuen Rekord für ganz Utah in Rushing Yards aufstellte und den Rekord für Rushing Touchdowns einstellte, bekam er keine Angebote von großen Colleges. Der Running Back ging deshalb zunächst an das Junior College Snow. Dort hatte er einen schwierigen Start und wollte nach einer Niederlage, in der er kaum zum Einsatz kam, schon hinwerfen. Wie er im Podcast erzählte, rief er seinen Vater an: „Ich sagte: ‚Ich denke, ich bin fertig mit Football. Es war nur eine High School Sache oder so‘“.

Doch Warren machte weiter und erlief letztlich in beiden Jahren am Snow College (2017 bis 2018) über 1000 Yards. 2019 ging er in die Divison I und an die Utah State, wo er sich 2020 jedoch auf dem absteigenden Ast sah. Nach nur drei Spielen in der durch Corona ohnehin verkürzten Saison beendete er die Spielzeit, im Dezember wechselte er dann an die Oklahoma State.

Bei den Cowboys versprach sich Warren in seinem letzten College-Jahr mehr Einsatzzeit und bessere Chancen, um sich für die NFL zu empfehlen. Doch es schien anders zu kommen: Starting Running Back LD Brown durfte aufgrund der Pandemie ein weiteres Jahr bleiben, was bei Warrens Wechsel noch nicht bekannt war. Und da waren natürlich noch andere talentierte Backs im Kader. Doch auch dank Browns Verletzung früh in der Saison wurde Warren am Ende der Top Running Back der Cowboys.

„Ich denke nicht, dass einer von uns zu Beginn der Saison damit gerechnet hätte, dass Jaylen Warren der überragende Spieler sein würde“, räumte OSU Head Coach Mike Gundy nach der Saison ein. Doch er wusste auch, warum Warren es geschafft hat: „Nun, wir hatten Glück. Jaylen ist bescheiden, selbstlos, hart und zu so einer Offense haben wir uns mit seiner Führung entwickelt.“

Apropos bescheiden: Warren sagte, er sei halt der Neue gewesen, „also wollte ich meine Rolle spielen. Am Ende mag ich es, zu gewinnen. Also was immer ich auch tun kann – seien es 30 Carries oder gar keiner – solange wir gewinnen, ist das alles, was mir wichtig ist“. Und dass Warren am Ende der Top Rusher mit 256 Attempts für 1216 Yards und elf Touchdowns wurde, hatte er seiner Meinung nach vor allem anderen zu verdanken: „Ich möchte meine persönlichen Statistiken der O-Line zuschreiben. Und danke an die Coaches, dass sie mir die Möglichkeit gegeben haben.“

Doch hinter all der Bescheidenheit steckt die bereits erwähnte harte Arbeit. So meinte zum Beispiel Josh Sills, ein O-Liner der OSU: „Workouts am Sonntag wurden ab dem vierten oder fünften Spiel optional. Ich glaube, Jaylen hat keines verpasst, bis er am Ende verletzt war. Ich glaube, dass es einigen aufgefallen ist. Einfach sein Wille. Er gibt niemals auf.“ Warren selbst meinte dazu: „Ich habe es mir nicht verdient, das Workout ausfallen zu lassen, also gehe ich hin.“ Unabhängig davon, ob er am Tag zuvor sechs oder 36 Mal den Ball getragen hatte.

Diese Demut und Einstellung zur Arbeit nahm Warren mit in die NFL. Und dort stellte er sie bei den Steelers fast alle in den Schatten; nur an Erstrundenpick Najee Harris kam er nicht vorbei. Wobei der ein oder andere Fan das im Saisonverlauf zumindest irgendwo im Hinterkopf vielleicht mal erwogen hätte, weil Warren auf dem Feld mehr Erfolg zu haben schien als Harris.

Unter der Betrachtung aller Gesichtspunkte ist dem nicht so. Doch Warren hat es sich verdient, auch 2023 oft auf dem Platz zu stehen, noch öfter sogar als 2022. Die Steelers rücken für ihn ab von ihrer einstigen Mentalität der „Bell Cow“ und planen, Harris und Warren häufiger gemeinsam aufs Feld zu bringen.

Alex Kozora von „Steelers Depot“ bezeichnete Warren als den Steeler, den er in der vergangenen Saison am liebsten gesehen habe. „Hohe Energie, maximaler Einsatz, hat mit dem Ball genauso viele Plays gemacht wie ohne ihn“, schrieb Kozora auf Twitter. „Das ist der Weg, den alle Spieler, die in diesem Sommer um einen Kaderplatz kämpfen, gehen müssen.“

Jaylen Warren ist eines der Beispiele, dass man es auch als Undrafted Free Agent, auf den niemand einen Pfifferling setzt, in die NFL schaffen und sich dort einen Namen machen kann. Dazu braucht es Fleiß und Demut, wie Warren sie hat. Dann können Floskeln eine Bedeutung bekommen. 

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